Die prozessnahe Qualitätssicherung beschäftigt sich
aus dem Blickwinkel des Kunststoffverarbeitungsprozesses mit allen
Fragestellungen, die mit der Optimierung und Sicherstellung der
Produktqualität verbunden sind. Dies kann grob in vier
Teilbereiche gegliedert werden:
Analyse des Gesamtsystems Konstruktion/ Auslegung/ Bauteilgestaltung/ Produktanwendung
Die folgenden Fragen sind zu beantworten:
- Welche Kundenanforderungen bzw. technischen Anforderungen hat das Produkt zu erfüllen?
- Wie wurden diese konstruktiv und in Spezifikationen umgesetzt?
- Welche möglichen Fehler können aus der Materialwahl, der Konstruktion
(Werkzeug- und Bauteilgestaltung) resultieren?
Methoden zur Bearbeitung dieser Fragen sind:Konstruktions-FMEA, Ishikawa-Diagramm (4-7 M), teilweise QFD
Verfahrens-/ prozeßtechnische Analyse
Zur Beurteilung ob im Laufe eines Fertigungsprozesses Fehler auftreten
können sind u. a. die folgenden Fragen zu diskutieren:
- Welche Fehler/Abweichungen treten am Prozeß auf, bzw. können
auftreten? (mögliche Einflüsse auf den Prozeß
(Umgebung/ Peripherie), Einflüsse der Rohstoffeigenschaften
(rheologische, strukturelle Eigenschaften etc.), mögliche
Prozeß- und Merkmalsstreuungen)
- Welche Fehler können während der laufenden Produktion am Produkt auftreten, bzw. treten auf?
- Welche Reklamationen/Ausschußgründe liegen vor bzw. können vorliegen?
Bei der Beantwortung der drei Fragen ist für jedes zu betrachtende
Merkmal dessen Relevanz für den
Einsatz des Bauteils und damit für die vom Kunden spezifizierten
Eigenschaften zu ermitteln.
Methoden zur Bearbeitung dieser Fragen sind:Prozeß-FMEA,
Ishikawa-Diagramm (4-7 M), STVM (Statistische Versuchsmethodik),
Mulitiple Regressionsanalyse
Prozessoptimierung
Die Prozessoptimierung ist bei Kunststoffverarbeitungsprozessen zumeist
ein mehrparametriges Problem, d.h. die Einflüsse der verschiedenen
Prozessparameter sind komplex. Ein wesentliches Problem dabei sind
häufig auftretende Wechselwirkungseffekte, d.h. die
Prozessparameter können nicht unabhängig voneinander
betrachtet werden. Es ergeben sich die folgenden Fragen:
- Welchen Einfluss haben die einzelnen Prozessparameter qualitativ und vor allem quantitativ?
- Welche Wechselwirkungseffekte treten auf?
- Wie muss die optimierte Prozesseinstellung aussehen hinsichtlich Produktqualität und Prozesssicherheit?
- Wie ist die Optimierung mehrerer konkurrierender Qualitätsmerkmale gleichzeitig zu bewerkstelligen?
Methoden zur Bearbeitung dieser Fragen sind: STVM (Statistische Versuchsmethodik),
Mulitiple Regressionsanalyse, Polyoptimierung
Statistische und kontinuierliche Prozessüberwachung
Kunststoffverarbeitungsprozesse weisen zumeist auch nach einer
erfolgten Prozessoptimierung Schwankungen auf. Diesen Schwankungen muss
mit einer geeigneten Prozessüberwachungsstrategie entgegnet
werden. Es stellen sich die folgenden Fragen:
- Wie stark schwankt der Prozess?
- Ist der Prozess beherrscht und sind Prozess-
und Qualitätsfähigkeit gegeben?
- Wie kann der aktuelle Prozesszustand gesichert und eine kontinuierliche
Verbesserung des Prozesses gewährleistet werden?
Methoden zur Bearbeitung dieser Fragen sind:
Chi Quadrat Test, Prozessfähigkeitsindizes, SPC (Statistical
Process Control) und CPC (Continuous Process Control)
Begriffserläuterungen/ Methodenportfolio für die Prozessnahe Qualitätssicherung
- Ishikawa-Diagramm
- Grafische Zusammenstellung der Einflüsse auf die
Produkteigenschaften oder auf den Prozeß; output-, d. h.
merkmalsbezogene Sichtweise
- Quality Function Deployment
- Erstellung von Vorgaben für Produkt und Prozeß aufgrund von Kundenerwartungen
- Fehler-Möglichkeits- und Einfluß-Analyse (FMEA)
- FMEAs überprüfen alle Konstruktions- und Planungsüberlegungen
auf denkbare Fehler, das sind:
- mögliche Funktionsbeeinträchtigungen
- mögliche Ursachen der Beeinträchtigung
- mögliche Folgen der Beeinträchtigung
Varianten: Konstruktions-FMEA, Prozeß-FMEA
- Statistische Versuchsmethodik (STVM)
- Ermittlung von quantitativen und qualitativen Zusammenhängen zwischen
Prozeßparametern des Herstellprozesses und den Qualitätsmerkmalen
des Teiles mit Hilfe nach statistischen Regeln geplanter Versuche
- Multiple Regressionsanalyse
- Analyse von Versuchsdaten, kontinuierlich erfassten
Prozeßdaten oder Bauteilmerkmalen mit Hilfe statistischer
Methoden; hier der Methode der kleinsten Fehlerquadrate;
Möglichkeiten zur Prozessanalyse, Optimierung, Überwachung
- Chi Quadrat Test (Bartlett Test)
- Dient der Überprüfung der Prozessberrschung. Die
Überprüfung der Prozessberrschung macht eine Aussage
über die Konstanz der Prozessstreuung. Sie ist eine wichtige
Grundvoraussetzung für die Anwendung verschiedener Methoden zur
Prozessüberwachung.
- Prozessfähigkeitsindizes
- Die Prozess- und Qualitätsfähigkeit ist in Relation zu
dem von Kunden geforderten Toleranzgrenzen für das
Qualitätsmerkmal zu beurteilen. Es bieten sich die Parameter cp
und cpk an.
- SPC ... Statistical Process Control
- Mit der SPC wird der Prozesszustand durch in größeren
Abständen statistisch erfasste Messdaten überwacht und
(möglichst selten) eingegriffen, wenn mittels SPC eine Abweichung
der Qualität der Bauteile von den geforderten Eigenschaften
festgestellt wird
- CPC ... Continuous Process Control
- Mit Hilfe von multiplen Regressionsmodellen (alternativ auch
neuronale Netze, Diskriminanzmodelle etc.) wird auf Basis der aus dem
laufenden Prozess entnommenen Daten die Produktqualität beurteilt.
Die Datenerfassung erfolgt automatisch, die Modellerstellung und
anschließend die Prozessbeurteilung erfolgen computergestützt.
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Weitere Informationen zum Qualitätsmanagement: » Fachinformation Nr.4: Prozesswissen aufbauen und nutzen
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